Pflege im Katastrophenschutz

Mein Einstieg

Hier erfahren Sie meinen Weg in das Thema und was die aktuellen Herausforderungen sind.

Mein Interesse an der Schnittstelle von Pflege und Katastrophenschutz begann 1996 während einer Evakuierungsübung in meinem Ausbildungskrankenhaus. Eine Station wurde geräumt: Die „Patienten“ waren Jugendrotkreuz-Mimen, Krankentransportfahrzeuge brachten die „Patienten“ in eine Turnhalle.
Als Pflegeschüler im dritten Ausbildungsjahr und Mitglied einer DRK-Sanitätseinheit bot ich an, in der Turnhalle mit meinem Wissen zu unterstützen. Der Sanitätsdienstleiter verwies mich an die Leitung des Pflegehilfsdienstes, die mich kurzerhand mit der Einweisung der Fahrzeuge beauftragte. Als ich später die Turnhalle betrat, wurde mir klar: Die pflegefachliche Versorgung der „Patienten“ hatte meines Erachtens Sanitätsdienstcharakter. Der Pflegehilfsdienst hatte keine Ahnung von den speziellen Bedürfnissen der „Patienten“ und keine langfristige Versorgung im Blick. Wäre dieses keine Übung gewesen, hätte es sogar mehr als eine Patientengefährdung, zum Beispiel durch falsche Lagerung, gegeben.

Meine Diplomarbeit

Im letzten Studienjahr zum Pflegedienstleiter wurde in der Nähe des Krankenhauses, in dem ich mein Praktikum machte, eine Fliegerbombe entdeckt. Als Teil des Krisenstabs entdeckten wir während der Vorbereitungen eine kritische Lücke: Ein benachbartes Pflegeheim war in der Informationskette übersehen worden. Zudem zeigte sich, dass in der Entschärfungsphase ein Personalwechsel in unterstützenden Bereichen (Küche) organisiert werden musste.

Diese Erfahrungen motivierten mich, 2004 meine Diplomarbeit zum Thema Evakuierung von Krankenhäusern aus pflegerischer Perspektive zu schreiben. Die Recherche gestaltete sich schwierig: Die damals aktuelle Literatur stammte von einem Sicherheitsingenieur; das einzige pflegebezogene Werk war ein veralteter DDR-Leitfaden von 1988. Mit Unterstützung von Dr. Knoche vom BBK und Prof. Dr. Serfin vom DGKM gelang es mir, die Arbeit abzuschließen. Im Nachgang meiner Diplomarbeit entwickelte das BBK den Leitfaden Krankenhausalarm-planung.

Während meiner Diplomarbeit verschärfte sich die Problemlage: Durch das Zivilschutzgesetz war der Pflegehilfsdienst (§14a) finanziert worden. Der Ausbildungsleitfaden beinhaltete neben der Grundversorgung auch Aufgaben wie Medikamenten- und Infusionsgaben. Meine Anfrage an das Bundesinnenministerium, warum eine dreijährige Pflegeausbildung nötig sei, wenn die Inhalte in sechs Wochen vermittelt werden könnten, führte zur Streichung des Paragrafen.

Jetzt hatten wir drei Problemen – und keine Lösung:
1.) Kein Pflegehilfsdienst mehr
2.) Unbekannte Zahl hilfsbedürftiger Menschen
3.) Fehlende Fachexpertise

In den folgenden Jahren gab es immer wieder Ereignisse, die den oben genannten Abläufen folgten: Bei einem Brand in einem Pflegeheim 2007 übernahmen Pflegefachkräfte von einer nahegelegenen Feier die Versorgung der demenzerkrankten Bewohnerinnen, da der Sanitätsdienst für diese spezielle Alterserkrankung nicht ausreichend ausgebildet war. Das diese fachliche und ehrenamtliche Unterstützung stattfand und vor allem zwingend notwendig war, wurde in der Nachbesprechung nicht aufgearbeitet.
Damals kristallisierten sich zwei zentrale Probleme heraus – bei nur einer scheinbaren Lösung:
1. Unklarheit über die Zahl hilfsbedürftiger Menschen im Katastrophenfall

Die damalige Lösung hieß Pflegehilfsdienst. In der Theorie hatten die dortigen Mitglieder in sechs Wochen eine Ausbildung absolviert, für die eine Pflegefachkraft drei Jahre benötigt.

Entwicklung und aktuelle Herausforderung

Zwischen 2006 und 2020 gab es große Erkenntnisgewinne:

Die Oderflut warf die Frage auf, wie Pflegefachpersonal in Hilfsstellen einzubinden ist.

Das Projekt KOPHIS untersuchte erstmals systematisch, wie viele Menschen im Notfall Unterstützung benötigen – inklusive ambulanter Intensivpflege und häuslicher Pflege.

Das BIA*-Projekt der DGKM zur Eingruppierung des Unterstützungsbedarfs von Pflegeempfänger war ein wichtiger Schritt, doch wurde der pflegerische Sprachgebrauch (Pflegegrade) vernachlässigt. Heute wissen wir ungefähr, wie viele pflegebedürftige Menschen im Katastrophenfall Hilfe brauchen. Nun geht es darum, die notwendigen Expertisen zu definieren und Katastrophenschutzeinheiten entsprechend zu strukturieren. Hierzu habe ich der DGKM im ersten Halbjahr 2025 einen konkreten Vorschlag unterbreitet und warte auf Rückmeldung.


Das Aus für den Pflegehilfsdienst – eine kritische Entwicklung

Im Jahr 2004 beschäftigte ich mich in meiner Diplomarbeit mit dem Thema Evakuierung von Krankenhäusern aus pflegerischer Perspektive. Ein zentrales Problem war der Mangel an aktueller Literatur: Das neueste Handbuch stammte aus dem Jahr 1988 – und zwar aus der DDR. Nach Abschluss meiner Arbeit schickte ich sie sowie eine Präsentation mit den wichtigsten Handlungsempfehlungen an meinen Ansprechpartner im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Herrn Dr. Knoche.

Ein weiteres Thema meiner Recherche war der Pflegehilfsdienst. Dieser sollte im Zivilschutzfall Pflegekräfte in Krankenhäusern unterstützen oder sogar ersetzen. In einem sechswöchigen Kurs wurden den Teilnehmenden unter anderem der Umgang mit Medikamenten und Infusionen vermittelt. Als ich bei Hilfsorganisationen nach weiteren Informationen fragte, erhielt ich jedoch kaum Antworten. Ich hinterfragte dies provokant: „Warum benötige ich eine dreijährige Ausbildung, wenn die Inhalte in sechs Wochen vermittelt werden können?“

Die Reaktionen darauf waren ernüchternd: Zunächst hieß es, das Handbuch werde überarbeitet. Auf Nachfragen folgte jedoch Stille. Schließlich richtete ich meine Frage direkt an das BBK – und landete schließlich bei der damaligen Staatssekretärin Ute Vogt. Nur ein halbes Jahr später wurden die Mittel für den Pflegehilfsdienst gestrichen.

Da ich die Notwendigkeit eines solchen Unterstützungsdienstes weiterhin für essenziell halte, kontaktierte ich die Verantwortlichen mehrfach. 2008 sandte ich ein Schreiben an das BBK und die Deutsche Gesellschaft für Katastrophenmedizin. Erst durch die Pandemie und die Flutkatastrophe im Ahrtal erhielt das Thema wieder die nötige Aufmerksamkeit.